Mit Sven Kuntze auf Gedankenreise - Über sein Buch “Altern wie ein Gentleman”
Zugegeben: Ich werde nicht gerne alt. Besser: Ich bin nicht gerne alt. Und was tue ich in dieser Gemütslage? Ich kaufe mir einen Ratgeber. Meine Wahl ist auf “Altern wie ein Gentleman” von Sven Kuntze gefallen.
Eine Bauchentscheidung, denn Sven Kuntze sieht auf dem Foto, das den Buchdeckel ziert, ganz und gar nicht wie ein Gentleman alter Schule aus. Er trägt zwar eine Anzugjacke, doch der Hemdkragen ist offen und sieht luftgetrocknet aus. Er trägt keine Jeans und keine Schnürschuhe. Das kann ich nicht sehen, aber ich weiß es, weil ich sein Buch inzwischen gelesen habe: Sven Kuntze trägt Poloshirts, Bundfaltenhosen aus Baumwolle und Slipper. Seine Jeans hat er entsorgt, denn Jeans ohne Hintern sind ein trostloser Anblick und unerbittliches Symbol der Vergänglichkeit…
Und was hat mich dieser Gentleman neuer Schule noch wissen lassen? Er zählt zu den “Vierzigern”, zu denen, die als 68er die Gesellschaft aufgemischt haben. “Wir haben flott gelebt, wenig ausgelassen und vom Faschismus ist bis auf dumpfe Restposten auch nichts mehr zu sehen,” schreibt er.
Und was kommt jetzt im Alter?
Vieles ändert sich. Damit die neue Ordnung schneller übersichtlich wird, hat Sven Kuntze eine neue Werteliste aufgestellt. Wichtig werden
Milde, Ehrlichkeit, Offenheit, Hilfsbereitschaft und Mitleid.
Eigenschaften, die der erfolgreichen Karriere dienten, sollte man ablegen. Sven Kuntze zählt dazu:
Ehrgeiz, Rücksichtslosigkeit, Gefühlskälte, Opportunismus und Ränkeschmieden.
Und was weiter? Man sollte lernen, eine Mischung aus Müßiggang und Engagement zu finden. Das ist nicht immer einfach, doch ich habe in den 13 Kapiteln viele Gedanken gefunden, die mir gefallen haben. Tröstlich für mich, dass es Sven Kuntze auch schwer gefallen ist, sich in das graue Heer der Alten einzureihen. Er hat es wohl schon geschafft. Ich wohl noch nicht ganz. Ich warte nämlich immer noch auf die Bemerkung:” Was? So alt sind Sie schon? Das hätte ich nicht gedacht.” Schließlich hat mich dieser Satz mein ganzes Leben begleitet. Wenn der Satz ausbleibt? Dann bin ich richtig alt.
Und wie werde ich eine alte Lady? “Probiere es erst gar nicht”, hat mein Schwiegersohn gesagt. “Bleibe lieber so wie du bist: Immer für eine Überraschung gut.”
23. Februar 2012 um 17:28 |
Schönes Ende, lesenswert! Viele Grüße, Cali